Wiedervernässung von Waldmooren

Renaturierung und Revitalisierung


Foto eines wachsenden schmalen Moores im Wald mit geschlossener Torfmoosdecke.

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Nasses, wachsendes Moor

Renaturierung ist ein verbreiteter Oberbegriff dafür, einen Landschaftsbestandteil wieder in einen naturnäheren Zustand zu bringen (1). Daher steht er auf dieser Website als Abschnittsüberschrift. In entwässerten Mooren reicht ein irgendwie naturnäherer Zustand etwa durch eine Pflegemahd oder der Entnahme standortfremder Bäume jedoch allein nicht aus. Diese Maßnahmen können nur ein erster Schritt sein.
Notwendig ist eine Wiedervernässung, um den Torf an der Oberfläche wieder nass zu bekommen. Das Ziel ist im Idealfall eine Revitalisierung, also eine Wiederbelebung des Torfwachstums. Sie wird manchmal auch als Rehabilitation oder Restauration (engl. restoration) bezeichnet.


Foto von mit Gummistiefeln eingesunkenen Beinen im Moor

Vollvernässung

Für eine Revitalisierung ist eine Vollvernässung mit Wiederherstellung der natürlichen flurnahen Wasserstände und bei geneigten Mooren auch der Wasserströme an der Mooroberfläche und im Torf erforderlich. Dazu muss man erst einmal verstehen, wie das Moor entstanden und gewachsen ist und wie die Entwässerung in dem spezifischen Gebiet funktioniert. Wichtig ist die Frage, was welche Gräben im Moor und Moorumfeld bewirken und ob noch andere entwässernde Faktoren eine Rolle spielen – zum Beispiel Fahrspuren, Ableitungen im Umfeld, Drainagen, Wasserentnahmen und der Baumbestand..
Meist werden wasserbauliche Maßnahmen nötig sein, um die Entwässerung zu stoppen. Oft geht es dabei um Grabenrückbau im Moor und manchmal auch im Moorumfeld. Nur wenn aus unausweichlichen Gründen keine Vollvernässung möglich ist, sollte mit einer Teilvernässung wenigstens ein Torferhalt und somit Erhalt der Kohlenstoffspeichers ermöglicht werden.


Foto einer schrägstehenden Badewanne, die mit Wasser gefüllt ist.

Stöpsel rein?

Wenn aus dem Moor am unteren Ende Wasser zeitweise heraus läuft ist, gilt es als vernässbar (2). Aus der Alltagserfahrung her neigt man dazu, sich nur auf diesen Abfluss zu konzentrieren und dort durch ein Staubauwerk im Hauptgraben das Wasser zu stoppen. Das vernässt das ganze Moor leider nur bei ebenen Verhältnissen. Beispiele sind Verlandungsmoore, Kesselmoore und Stauwasser-Versumpfungsmoore.
Viele Waldmoore gehören jedoch zu den geneigten Moortypen, die mit geringen Hangneigungen von zum Teil unter 0,5 Grad auch im Flachland verbreitet sind. In geneigten Mooren hat ein Anstau nur sehr begrenzte Wirkung. Zwar wird durch Kapillarkräfte das Umfeld des angestauten Bereichs befeuchtet, bleibt aber im durchlüfteten Bereich über dem Stauniveau.


Foto eines nassen Waldmoors mit Wasser und Torfmoosen an der Oberfläche.

Eigenstauende Wirkung von Torf und Vegetation

Moore am Hang wachsen durch die eigenstauende Wirkung der Moorvegetation und des darunter liegenden Torfs. Das heißt, der Durchflusswiderstand von Torf und Vegetation sorgt für den Wasserrückhalt am Hang. Je steiler der Hang, desto mehr Wasser ist für eine Moorbildung nötig. So können sich bei entsprechender Wasserzufuhr selbst an steilen Hängen über die Zeit mehrere Meter Torf aufbauen. 
Typisch für intakte Hangmoore ist, dass die Mooroberfläche von Wasserbahnen überrieselt wird. Ziel einer vollständigen Wiedervernässung sollte daher sein, diese Überströmung wiederherzustellen.


Foto eines geneigten offenen Moores im Wald.

Flächige Überrieselung wieder ermöglichen

Voraussetzung für eine erfolgreiche Vernässung von Mooren am Hang ist, dass die flächige Überströmung der Mooroberfläche wiederhergestellt wird. Zu oft fangen Gräben quer zum Hang das Wasser ab und leiten es in stärker eingetiefte Hauptgräben ab. Um wieder eine Überströmung der Moorfläche zu erreichen, ist dann eine Vollverfüllung aller Gräben im Moorkörper mit torfähnlichem Material notwendig. Zusätzlich müssen Spundwände die Füllung absichern und eine tatsächliche Überleitung in die Moorfläche muss modelliert werden. 
Erschwerend kommt hinzu, dass entwässerter Torf seine Porosität und Quellfähigkeit verliert, sodass eine Durchströmung erst nach neuem Torfwachstum wieder gut funktioniert. 


Buchenwald vor einem dunklen, dichten Fichtenwald

Wassereinzugsgebiet beachten

Die allermeisten Waldmoore sind keine Regenmoore, sondern erhalten den größten Teil ihres Wassers aus dem nicht vermoorten Umfeld als Grundwasser oder Abfluss in bodennahen Schichten („Interflow“ genannt). Das heißt, sie haben ein Wassereinzugsgebiet im Wald oberhalb, das die Moorgröße übersteigt.
Ein Waldumbau von Nadelholz zu Laubholz im Einzugsgebiet verbessert die Wasserversorgung der Moore erheblich und ist auch als Anpassung an die verschlechterte klimatische Wasserbilanz im Klimawandel ratsam. 
Die Versickerung im Wassereinzugsgebiet ist von der Vegetation abhängig. Lichte Wälder versickern mehr Niederschlag als dichte. Reiner Laubwald hat bei gleichem Bestockungsgrad eine 30-40 % höhere Versickerung als Nadelwald, wie zahlreiche Messdaten bestätigen. Das liegt hauptsächlich an der größeren Oberfläche der Nadelmasse, die damit mehr Wasser von Regenschauern im Kronenbereich zurückhalten („Interzeption“) – gerade auch im Winterhalbjahr, in dem die Haupt-Grundwasserneubildung erfolgt.