Typische Quellmoor-Hangmoor Abfolge
Das Hirschhagener Moor ist ein für die Wälder des mitteldeutschen Berglands repräsentativer Quellmoor-Hangmoor-Komplex. Es liegt im Werra-Meißner-Kreis in der Nähe von Hirschhagen bei Hessisch Lichtenau in ca. 440 Metern Höhe und gehört zum gleichnamigen Forstamt. Der Hauptteil des Moores ist auf 200 Metern Länge hangabwärts gestreckt und verjüngt sich entsprechend der Talform nach unten. Die Neigung der Moorfläche ist mit 2,5 bis 3 Grad deutlich ausgeprägt. Die Torfmächtigkeit sinkt von 100 cm im Quellmoorbereich auf 20 cm am unteren Moorende ab (Karte und Daten zum Moor am Seitenende).
Auch wenn aus dem Gebiet bisher keine Datierungen der Torfe vorliegen, kann aus dem Mooraufbau geschlossen werden, dass der Quellmooranteil ein- bis mehrere tausend Jahre alt ist, während das geringmächtigere Hangmoor sich erst durch menschengemachte Entwaldungsphasen im Umfeld entwickelt hat.
Dichter Fichten-Sukzessionswald
Wie nicht wenige Waldmoore in Hessen, war das Moor nur den zuständigen Förstern bekannt, aber nicht in der Biotopkartierung oder in Bodenkarten erfasst. Ein dichtes Grabennetz ist um 1900 zur Aufforstung des vorher als Wiese genutzten Moores mit Fichten angelegt worden. Bei der Ersterfassung der Moorausdehnung 2021 war das Hirschhagener Moor mit einem sehr dichten und dunklen Fichten-Sukzessionswald bestockt. HessenForst hatte die Feuchtfläche zwar aus dem regulären Betrieb genommen – die Gräben entwässerten jedoch weiter.
Erkennbare Quellaustritte und deutlicher Wasserfluss in den Gräben wiesen auf ein gutes Vernässungspotenzial hin. Natürlicherweise wäre solch ein Moor stellenweise mit einem lichten Moorbirkenwald bestanden, der von baumfreien nassen Strängen durchzogen wäre.
Tiefe Gräben im Moor
Das Hirschhagener Moor war mit einem engmaschigen Grabennetz entwässert. Zwei Hauptgräben führten als „Abzugsgräben“ das Wasser am Rand der Moorfläche hangabwärts ab. Mehrere Seitengräben schräg zum Hang wirkten als „Fanggräben“. Das heißt, sie fingen hangabwärts sickerndes Wasser ab und leiteten es in die Abzugsgräben.
Trotz bereits langer Auflassung des Grabenunterhalts und der forstlichen Bewirtschaftung wirkten die verfallenden Gräben noch stark entwässernd. Nur die Quellaustritte waren oberflächig nass.
Schnelle Entwicklung der Freifläche
Der dichte Fichtensukzessionswald wurde als Vorarbeit für die Wiedervernässung gefällt und mit einem Seilkran schonend aus der Fläche transportiert. Für das Moor ist die plötzliche Freistellung und Besonnung der Fläche ein drastischer Wandel. Ideal wäre es einen lichten Wald zu belassen. Mit den standortfremden Fichten ist dies aber schwierig, da erfahrungsgemäß aufgelichtete Bestände auf Mooren beim nächsten Sturm umfallen. Die Stämme bedecken dann die Moorfläche und blockieren den Zugang zu den Gräben.
Im Hirschhagener Moor erfolgte die Grabenverfüllung 2022 bis 2025 in mehreren Projektwochen durch Freiwillige des Bergwaldprojekts e. V. und Mitarbeitern des Forstamts. In Moorbereichen mit mindestens 30 cm Torf sind die Entwässerungsgräben inzwischen mit Spundwänden und organischer Füllung aus Sägemehl-Hackschnitzel-Gemisch rückgebaut worden.
Die Entwicklung moortypischer Vegetation erfolgte im Gebiet infolge der Grabenverfüllung sehr schnell. Faszinierend war die schnelle Ausbreitung von Torfmoosen, die sich infolge des Grabenrückbaus trotz austrocknender Sonneneinstrahlung auf der Freifläche ansiedelten.
Dennoch sind die Wasserverhältnisse des lange entwässerten Moores insgesamt noch etwas gestört, sodass in Zukunft Pflegemaßnahmen notwendig sein werden, damit kein dichter Moorwald auswächst. Ursache ist auch der starke Nadelholz-Samenanflug aus dem Umfeld.
Wasser umleiten
Die beiden Hauptgräben erhielten saisonal eine starken Wasseranstrom aus dem Wassereinzugsgebiet, in dem Entwässerungsgräben auf Mineralboden im Wald und Wegeseitengräben wirksam sind. Nach anfänglichen Problemen mit Abschwemmungen der Grabenfüllung wurden Umleitungen des anströmenden Wassers weg von den Abzugsgräben in den zentralen Quellbereich realisiert. Dazu wurde beim nördlichen Hauptgraben mit dem Bagger eine Grabenumleitung im Mineralboden oberhalb des Moores gegraben. Der südliche Hauptgraben wurde im Anmoorbereich verfüllt und in Handarbeit abgeleitet (siehe Foto).
Oberer Moorteil
Von dem Bahndamm der ehemaligen Munitionsfabrik Hirschhagen abgetrennt, gibt es noch einen weiteren Moorteil im Südwesten mit geringerer Torfmächtigkeit bis 40 cm. Er hat sich an höher gelegenen Quellen gebildet. Das Wasser aus diesem Moorteil fließt durch einen Durchlass im Bahndamm in den Haupt-Moorteil.
Der obere Teil war dicht von jüngeren Fichten bestanden und ist von einem Entwässerungsgraben durchzogen. 2025 wurden die Fichten entnommen – ein Grabenrückbau wird noch erfolgen. Die Revitalisierung des oberen Moorteils wird auch zu einer Verbesserung der Wasserführung im Hauptteil beitragen, da intakte Moore Wasser speichern und in trockenen Zeiten langsam abgeben, während aus entwässerten Mooren Niederschlagsspitzen schnell durch die Gräben abfließen








